Wandern in Paris: Verrückt? Nein!
Paris in Wanderschuhen entdecken – klingt verrückt? Aber nein! Ich kann es dir nur empfehlen. Ausgedehnte Wanderungen durch verschiedene Arrondissements gehören zu den schönsten und überraschendsten Arten, Paris kennenzulernen. Vor allem, weil du dann abseits der üblichen Touristenpfade unterwegs bist. In den ursprünglichen Arrondissements, dem echten Paris fernab von Menschenmassen und typischen Foto-Motiven. Es gibt erstaunlich viele Wanderwege in der Stadt, die sogar offiziell ausgeschildert sind. Auf den meisten ist es so grün und ruhig, dass man kaum glaubt, in einer Großstadt zu sein. Du wirst staunen, wie du die Stadt beim Wandern plötzlich mit ganz anderen Augen siehst.
Paris, die Stadt der Wander-Liebe
Diesmal habe ich eine Route durch das 19. und 20. Arrondissement für dich ausgesucht. Sie führt zuerst am Canal Saint-Martin entlang, dann weiter durch den Park Buttes-Chaumont und schließlich zum bekannten Friedhof Père Lachaise. Von dort geht es wieder zurück zum Ausgangspunkt an der Place de la République. Insgesamt sind es etwa 12,8 Kilometer – mit ein paar Höhenmetern, die sich durchaus bemerkbar machen. Den Apéritif danach im Straßencafé hast du dir also verdient.



Vom Canal Saint-Martin zum Park Buttes Chaumont
Die Tour startet an der Metro-Station Place de la République – einem der größten Plätze von Paris. Im Zentrum steht die imposante Marianne-Statue, das Symbol der Französischen Republik. Wie so oft habe ich eine ähnliche Tour bei Komoot gefunden und nach meinen Vorstellungen angepasst. Nimm einfach die Metro Linie 8 bis Place de la République. Zunächst geht es durch ein paar belebte Nebenstraßen Richtung Canal Saint-Martin. Falls du noch Proviant für unterwegs brauchst: Boulangerien, Obst- und Gemüsehändler wechseln sich ab. Und in den Straßencafés sagen dir Café crème und Croissants bonjour.
Der Canal Saint-Martin: ein grünes Paradies mitten in Paris
Das 19. Arrondissement am Canal Saint-Martin ist eines der lebendigsten von Paris – geschäftig, bunt und manchmal ein bisschen chaotisch. Nach ein paar Nebenstraßen wird’s plötzlich romantisch. Man landet direkt am Kanal, der an dieser Stelle von großen alten Bäumen, vor allem Kastanien, überwachsen ist. Ein grünes Paradies rund um eine glitzernde Wasserstraße, die mitten durch Paris fließt. Es gibt eine paar alte Brücken, die sogenannten Passerelles, welche die beiden Ufer verbinden. Mein Tipp für Fotografierfreudige: Unbedingt aufpassen, dass du vorwärts kommst. Die Versuchung, an jeder Brücke und jeder Schleuse für ein noch schöneres Bild stehen zu bleiben, ist enorm.
Früher für frisches Wasser, heute zum Flanieren
Der Canal Saint-Martin wurde zwischen 1805 und 1825 auf Befehl Napoleons angelegt, ursprünglich, um Paris mit Frischwasser zu versorgen. Heute ist er herrlich zum Flanieren, viele Uferwege werden gerade modernisiert und neu gepflastert. Der Abschnitt vom Bassin de la Villette bis zum Port de l’Arsenal an der Seine ist mit seinen neun Schleusen und zwei Drehbrücken technisch bemerkenswert. Besonders bekannt sind die charakteristischen Schleusentore, die den Wasserstand regulieren – ein schöner Anblick, wenn ein Schiff die Schleuse passiert.
Der Canal Saint-Martin freut sich auf sportlich Aktive
Wegen ihrer Länge nutzen auch Jogger gerne die Anlagen, denn hier kann man wirklich kilometerlang fern von Großstadthektik laufen. Der Canal Saint-Martin in Paris bietet etwa 4,5 Kilometer Laufstrecke, wenn man den gesamten Kanalabschnitt vom Bassin de la Villette bis zur Seine (am Port de l’Arsenal) betrachtet. Man kann natürlich auch wieder zurück laufen. Und für eine noch längere Strecke den nahtlos angrenzenden Canal de l’Ourcq nutzen.
Das alternative Viertel: Zwischen Graffiti und Szene-Cafés
Während das erste Stück des Canal Saint Martin eher beschaulich anmutet, folgt dann ein eher alternatives Viertel – mit Wohnblöcken, die bessere Tage gesehen haben, Graffiti an den Mauern und alternativen Szene-Cafés. Am Boulevard de la Villette angekommen, ändert sich das Bild erneut. Hier fährt die Métro-Linie 2 auf einem erhöhten Viadukt über den Straßen – ein Stück altes Paris, das an die frühen Jahre des Stadtbahnnetzes erinnert. Der Kanal wird breiter, und endlich sind auch einige Schiffe unterwegs. Am besten wechselst du hier auf die Sonnenseite des Kanals und setzt sich in eines der Cafés am Ufer. Sonnenbrille nicht vergessen! Der Blick auf die vorbeigleitenden Boote ist wunderbar.
Hinauf zu den Buttes-Chaumont
Über die Passerelle de la Moselle wechselt man zurück auf die andere Seite und folgt der Avenue de la Laumière bergauf. Der Anstieg ist sanft, aber doch spürbar – rund 70 bis 100 Höhenmeter sind es bis zum Parkeingang. Das Wort „butte“ bedeutet auf Französisch übrigens schlicht „Hügel“.
Der Park selbst ist einer der schönsten und unbekanntesten Parks von Paris. Er wurde 1867 unter Baron Haussmann und dem Landschaftsarchitekten Jean-Charles Alphand für die Weltausstellung angelegt – auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs und einer Müllhalde. Heute ist er eine grüne Oase für die Bewohner des 19. Arrondissements: Familien, Jogger, Hundebesitzer, alle entspannen sich hier auf großzügigen Rasenflächen zwischen künstlichen Felsen, Grotten und einem malerischen See.
Das Wahrzeichen des Parks ist der Temple de la Sibylle, ein kleiner Rundtempel, der 1867 von Gabriel Davioud entworfen wurde und hoch oben auf einer felsigen Insel thront. Leider ist er nicht zugänglich. Von dort oben soll man angeblich sogar Montmartre sehen können. Es gibt jedoch weitere Aussichtspunkte im Park, und von einem der höchsten siehst du tatsächlich die obere Hälfte des Eiffelturms über dem Häusermeer herausragen. Keine schlechte Überraschung für einen Park im 19. Arrondissement.
Durchs 20. Arrondissement zum Friedhof Père Lachaise
Wenn du den Park durch den Ausgang an der Rue Botzaris wieder verlässt, bist du schon im 20. Arrondissement. Es ist wirklich charmant: mit kleinen Straßen, lebhaften Cafés und einer erfreulich internationale Restaurantszene. Indisch, äthiopisch, marokkanisch, japanisch, chinesisch – die Auswahl ist groß, die Qualität ordentlich. Dein Magen knurrt schon? Dann nimm Platz!

Falls du noch bis zum F’riedhof Père Lachaise durchhältst: Mein Tipp für eine schöne Mittagspause ist das Café Martin an der Ecke Avenue Gambetta und Rue de la Bidassoa (Adresse: 2 Place Martin Nadaud). Das Essen ist richtig gut, es gibt Tagesgerichte (plat du jour), und die Bedienungen sind ausgesprochen freundlich. Muss ich noch erwähnen, dass man hier super in der Sonne sitzen kann?
Père Lachaise: Ein Friedhof, so groß wie eine Stadt
Das dritte große Highlight der Wanderung ist der Friedhof Père Lachaise – und wer ihn noch nicht kennt, wird schlicht überwältigt sein. Der Friedhof wurde 1804 eröffnet, ist mit 44 Hektar der größte Friedhof von Paris und gehört zu den bekanntesten der Welt. Rund 3,5 Millionen Besucher kommen jährlich hierher, um die Gräber berühmter Persönlichkeiten zu sehen: Jim Morrison, Oscar Wilde, Édith Piaf, Frédéric Chopin, Honoré de Balzac oder Marcel Proust – um nur einige zu nennen.
Was den Père Lachaise so besonders macht, ist nicht nur die prominente Gästeliste. Es ist die Anlage selbst: breite Alleen, alter Baumbestand, Mausoleen in allen Größen und teils pompösen Ausführungen. Manche sind klein und schlicht, andere groß wie Paläste. Viele sind über 200 Jahre alt, verwittert und kunstvoll gestaltet. Bei Chopin liegen stets frische Blumen – er wird offensichtlich bis heute verehrt. Ebenso wie Jim Morrison. Sein Grab ist das meistbesuchte des Friedhofs. Molière und Jean de La Fontaine (bekannt für seine Fabeln) ruhen in eleganten Sarkophagen. Auch Edith Piaf und viele andere berühmte Persönlichkeit haben hier die letzte Ruhe gefunden.
Mein Tipp: Die Gräber der berühmten Persönlichkeiten lassen sich prima über Google Maps oder Komoot finden. Du solltest genug Zeit einplanen, schon wegen der schieren Größe ein bis zwei Stunden. Denn dieser Friedhof ist wirklich außergewöhnlich und es wäre schade, ihn nur zu durchqueren und abzuhaken.
Zurück zum Canal Saint-Martin und zur Place de la République
Nach dem Père Lachaise führt die Route noch einmal bergauf zu einem kleinen Aussichtspunkt, der dir noch einmal einen schönen Blick über die Stadt beschert. Dann geht’s nur noch bergab, zurück zum Canal Saint-Martin. Das Abendlicht taucht den Kanal in ein ganz anderes Licht als am Morgen – die Spiegelungen im Wasser, die Bäume, die alten Häuser – einfach so schön. Entlang des Ufers geht es dann zurück bis zur Place de la République, wo die Tour begonnen hat. Und dann nichts wie rein ins nächste Straßencafé zum Apéro. Santé!
Hier kommt der Text über mich rein.


